Kapverden, über Europas vergessene Welt – Teil 01

Als eine fast versunkene und vergessene Welt könnte man dieses Archipel vor der Südwestküste Afrikas bezeichnen. Auf insgesamt 10 Inseln verteilt, wovon nur neun besiedelt sind, leben rund 550.000 Menschen aus unterschiedlichsten Nationen auf eine Art und Weise zusammen, die beeindruckend ist. Eher intuitiv und recht unideologisch schützen sie ihren Lebensraum so gut es geht, achten auf Müllvermeidung und eine gerechte Verteilung von Arbeit, Auskommen und Ressourcen. Die Bewohner der Inseln lieben ihren Lebensraum, der durch das Meer stark geprägt ist. Sie verehren das Meer, nicht nur weil es ihnen Nahrung liefert, sondern sie wissen die besondere Schönheit der Korallenriffe und der vorüberziehenden Buckelwale, Manta-Rochen und Walhaie zu genießen. Es gibt auch Schutzprojekte für Meeresschildkröten, die in der Zeit zwischen Juli und Oktober auf der Insel Boa Vista an Land gehen, um ihre Eier im Sand abzulegen.

Die Strände sind durch den stetigen Nordostwind geprägt, der reichlich Saharasand herbeiträgt. Den vulkanischen Ursprung der Inselgruppe erkennt man nicht nur in den variationsreichen Gesteinsformationen, sondern vor allem auch an diversen Sandstränden. Dort vermischt sich der Sand aus der fernen Sahara mit dem schwarzen Abtrag stetiger Erosion der erkalteten Lava.

Der Massentourismus hat die Menschen des Archipels verschont. Taucher lieben die Korallenriffe und den Artenreichtum und kommen gerne als Individualtouristen auf die Inseln. Außerdem genießen die Besucher mit Vorliebe die warmen Salzwasserbecken der Insel Sal, wo noch der heiße Hauch ehemaliger Vulkane zu spüren ist.

Das Paradies mit seiner artenreichen Fauna und Flora und seiner farbenprächtigen, überraschungsreichen Unterwasserwelt sind jedoch massiv bedroht. Von Europa als ehemalige portugiesische Kolonie im Stich gelassen, haben sich die Chinesen der Inselwelt bemächtigt. Europa und speziell Portugal erinnern sich nicht gerne einer unrühmlichen, faschistischen Vergangenheit, die sogar ein KZ auf den Kapverden hervorgebracht hat. In dieses Vakuum stieß bereits vor vielen Jahren die chinesische Welt mit ihren schier unerschöpflichen Geldern und einer Vorstellung von Zivilisation, die nicht bei allen Kapverdianern negativ gesehen wird. Das Land durchlebte zuerst eine sozialistische Diktatur, dann den wirtschaftlichen Zusammenbruch und am Ende stand eine freie Demokratie, die sich wirtschaftlich nur sehr langsam erholte, mangels Hilfe und Unterstützung durch die ehemaligen Kolonialherren, sprich Portugal und Europa.

Wie auch an vielen anderen Orten Afrikas entwickelte das chinesische Regime einen sicheren Instinkt für strategische Vorteile und Schwachstellen in der Infrastruktur. Auf diesem Weg verschaffte man sich eine wirtschaftliche und militärische Basis, nicht zuletzt um Europa wieder ein Stück näher zu rücken. Für die Umwelt ist es teilweise eine Katastrophe, wenn Abwässer ins Meer geleitet werden, für die Lebensgrundlage der Einheimischen aber kam der Supergau, nachdem die großen Fischtrawler begannen, systematisch das Meer vor den Inseln leer zu fischen. Was die Umwelt angeht, so hat der Plastikmüll ein neues Zuhause gefunden, denn die Chinaläden sind allgegenwärtig. Für die soziale Struktur der Bewohner ist diese Entwicklung nicht zuträglich. So gut wie alle Arbeitsplätze werden mit Immigranten aus China besetzt. Die Einheimisch bekommen bestenfalls die absolut niedrigsten und am schlechtesten bezahlten Jobs überhaupt.

Wohlstand und ein angenehmeres Leben erhoffen sich viele durch ein Leben in Praia, der Hauptstadt des Staates Cabo Verde auf der Insel Santiago. Doch auch das klappt nicht wirklich, denn Universitäten und Schulen, allesamt von China erbaut, sind durch hohe Gebühren für den normalen Inselbewohner unerschwinglich. Welche Lehrinhalte dort für die dünne Oberschicht verbreitet werden, kann man sich sehr gut vorstellen. Mandarin ist in der Schule Pflichtfach. Die Beschilderung ist vielfach ausschließlich Chinesisch, obwohl die Landessprache Portugiesisch bzw. Kreolisch ist.

Die Bevölkerung ist gespalten. Manche glauben an China und setzen auf einen baldigen wirtschaftlichen Fortschritt, die anderen betrachten China als die neue Kolonialmacht, die keinen Segen, sondern Abhängigkeit und Unterjochung bringt.

Was die Infrastruktur angeht, hat sich nicht viel getan und an manchen Orten hat man den Eindruck, die Zeit sei stehen geblieben. Ob das allerdings ein Nachteil ist, bleibt abzuwarten und nicht wenige Insulaner erachten es als Vorteil.

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2 Antworten

  1. Kathrin Franz sagt:

    Danke für den informationsreichen Bericht. War mir nicht bewußt, daß die Chinesen sich auch dort eingenistet haben wie bereits in Afrika.
    Wenn das Volk gespalten ist und die Gefahr durch die Chinesen nicht erkennt, wird sich nichts ändern und Chinas Einfluß nur noch größer werden.
    Leider berichten die Mainstream-Medien nichts über den ‘chinesischen Vormarsch’, um die Situation bekannter zu machen,

    • Peter J. Lang sagt:

      Das ist wahr, ich würde mir viel mehr Reportagen und Berichte über Chinas Vormarsch, speziell in Afrika wünschen, aber man darf sich nicht vertun, auch Portugal steht unter chinesischer Herrschaft, denn China hat erhebliche Teile der portugiesischen Staatsschulden auf der Finanzkrise 2008 bezahlt und sich dafür hier im Land nicht unerhebliche Sonderrechte gesichert.
      Danke für Deinen Kommentar und Deine Meinung
      Peter-Johannes

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